Grosser Münsterländer Zwinger "vom vorderen Kraichgau"

 

Die Summe der Anpaarungen eines bestimmten Zeitintervalls kann man als Genetik einer Population bezeichnen, aber die Populationsgenetik der Jagdhunderassen in Deutschland (bzw. Zentral-Europa) beschreibt eher die Entwicklung einer Population aus einem Fokus von steuernden top-down Elementen. Studiert man die Zuchtordnung, dann werden z.B. Über- und Untergröße aussortiert. Gibt es eine Normgröße in der Natur? ja und nein, aber meistens nicht so stringent als in der Jagdhundezucht. In der Natur kommen Aspekte wie Vitalität und Welpensterblichkeit vor, die bei häuslichen Wurfstuben sich anders etablieren. 

Tritt ein Phänomen nicht nur in einer Anpaarung oder Zwinger auf, sondern ist als solches in der Population regelmäßig zu erkennen, ist die Populationsgenetik hinsichtlich Bewertung mit anschließender Duldungsfindung gefordert.

Die Populationsgenetik, die ich hier beschreibe, benutzt kein Hardy-Weinberg-Gesetz, ist eher mit der Mendelpopulation zu vergleichen. Die Methodiken aus der Nutztierhaltung können ebenfalls nicht verwendet werden. DNA-Daten können eine Ausgangsbasis kalibrieren und den Grad der "Unterschiedlichkeit" justieren. 

Das Verständnis für Genetik startet bei den Mendelschen Regeln und das Grundverständnis, dass in der realen Welt Vorhersagen für Anpaarungen meistens wenig oder nicht zutreffen. Die Kenntnislage ist oftmals zu lückenhaft. Hinzu kommen unterschiedliche Vererbungsmechanismen wie Genkopplung oder auch Epigenetik

Das zweite Phänomen ist die Fokussierung auf einer gewissen Anpaarung und die zukünftige Population als Kumulation solcher einzelnen Anpaarungen zu beschreiben. Leistung als Selektionskriterium kann in einer Bandbreite von 5% um den „normalen“ Höchstwert nicht das einzige Merkmal sein. Der Genpool würde sich unnötig verkleinern, wenn gewisse Rüden vermehrt zum Deckakt kämen. Für vielen Jagdhunderassen ist heute festzustellen, dass eine weitere Optimierung der Leistung genetisch wenig beeinflussbar ist, sondern jetzt dominant von Umgebungsfaktoren bestimmt wird (Aufzucht, Führer, Übungsintensität). Dieses ist auch wohl der Fakt geschuldet, dass die Anpaarungsstrategien der Vergangenheit entsprechend erfolgreich waren und ein hohes Leistungsniveau hervorbrachten. Es ist heute eher wichtig das Leistungsniveau zu halten, unter Beibehaltung der genetischen Breite.

Obwohl diese Kenntnisse nicht neu oder exklusiv sind, war es im Jahr 2008 für mich erstaunlich wie gehäufte Krankheiten in einer Jagdhunderasse auf Inzucht zurückzuführen waren und damit zu hohen Kosten beim Eigentümer resultierten. Also stellte sich mir die Frage, ob eine Rasse eine Mindestgröße an Paarungsindividuen haben sollte. Dazu muss man ein Kriterium festlegen, das für mich damals Ahnenverlustkoeffizient (AVK) war. Alternativ gibt’s den Inzuchtkoeffizient (IK), der jedoch schwerer zu berechnen ist. Die Frage, die ich mich (exemplarisch) stellte, war: „Wie groß muss eine Population mindestens sein, damit man dauerhaft mit einem (zum Beispiel) AVK=0 für alle Anpaarungen züchten kann“. Ich habe eine gefühlte Größenordnung ermittelt. (Im Januar 2020 habe ich in einem Seminar gehört, dass eine Population mit einem IK=1% mindestens 50 Paarungspartner braucht.) Soweit mal die Theorie. Bringt man ein zweites Kriterium in der Anpaarungsstrategie mit ein (z.B. Hüftdysplasie), bekommt das mathematische Modell schnell weiche Knien. Denn der Anteil der geröntgten adulten Hunde ist noch nicht über 50%. Die Realität schlägt also die theoretische Strategie. Dabei ist das Röntgen weder extrem kosten- noch zeitintensiv.

Die Frage lies mich nicht los. Ein weiteres Phänomen war die Weisheit gewisser Züchter, die ich aber nicht oder nur sehr schwer ergründen konnte. In den Diskussionen um Anpaarung und Vererbung wurde das Tischtuch mal kurz gelüftet, um dann wieder für längere Zeit zugedeckt zu bleiben. Ich suchte einen anderen Weg. Mit den Zuchtbüchern von 1991 vorwärts (die von den „letzten“ Jahren hatte ich schon) machte ich mich an der Erfassung. In Excel hatte ich 3 Grundtabellen (Zwinger, Zuchttiere und Anpaarungen) und versuchte Korrelationen zu finden. Mehr oder weniger zeitgleich beschloss der VGM auf Einlagerung von Blutproben der Welpen und Zuchttieren. Konnte die DNA in einem einzelnen Hund eines Wurfes "reinschauen", war für mich jeder Welpe eines Wurfes gleich.


Ein gutes Buch zur Veranschaulichung von Vererbung und Genkopplung ist "Die Genetik der Fellfarben beim Hund" (ISBN 9783954641505). Das Thema Fellfarben ist sehr anschaulich, besser als Körperbau, Motorik, etc. Auch wenn man der Meinung ist, dass Fellfarben beim Großen Münsterländer einfach sei, gibt es noch einige Besonderheiten zu entdecken. Für mich wichtig in diesem Kontext ist die Eingrenzung der Bedeutung "Prognose" bei der Anpaarung. 

Die Erfassung hat im Anfang sehr viel Zeit gekostet, da die Daten über vielen Jahren verteilt waren. Meist im Anfang des Jahres saß ich am Rechner. Ich diskutierte meine Erkenntnisse mit anderen „Experten“ und bot andere Rassen die Methodik an. Das Angebot wurde nicht angenommen (ich würde ja als Außensteher Einblick bekommen) und die interessanteste Kritik war „die Ahnentafel muss nicht per sé die Realität entsprechen“.

Der jetzige Erfassungsaufwand hält sich im Rahmen, sodass es keinen Grund gibt aufzuhören. In 2017/2018 entnahm ich aus dem „Jagdgebrauchshund“, dass sich eine andere Jagdhunderasse auf dem Weg ist sich an dem Genpool mit gleicher Methodik ran zu machen.

Oben rechts ist ein erster Artikel eingebunden. Ich habe versucht Ahnentafel, Ahnenverlustkoeffizient und Inzuchtkoeffizient anschaulich zu beschreiben. Im zweiten Teil des Beitrages versuche ich deutlich zu machen, dass die Einbindung von zusätzlichen Kriterien zur Bewertung von einzelnen Hunden quantitativ nicht viel bringt. Sehr schnell werden objektive Daten sehr subjektiv. Über Feedback freue ich mich. 

In einem zweiten Bericht widme ich die Frage nach "Populationsgröße". Damit ich einigermaßen vergleichbare Datenstrukturen hatte, musste ich Ahnendaten nachfassen. Dieses betraf besonders den rezenten Einsatz von Deckrüden aus dem Ausland. Deren Ahnen waren oftmals auch nur im Ausland. Hier war mir die GM-Datenbank von Line Oermen eine sehr große Hilfe. Der Bericht ist oben rechts als zweiter Eintrag verfügbar.

 


 

In "Populationsgröße" ist das Wort Größe eher mit Diversität als mit Begriffen wie "Anzahl Welpen pro Jahr", "Anzahl Deckakte des Rüden", etc. gleichzusetzen. Das bedeutet umgekehrt, dass eine Rasse mit wenig Welpen im Jahr "größer" sein kann als eine Rasse mit 50% mehr Welpen (Zuchtstrategie). Im Kontext der "jagdlichen Brauchbarkeit" gibt es die Landesformel, die sehr unterschiedlich ist. Die Zulassung zur Prüfung wurde nach dem JWMG" für Baden-Württemberg neu beschrieben. So lässt sich auch ein Teil der "Nachsuchegespanne" deutlicher zuordnen und lässt somit Kriterien wie Gesundheit, Wesen und Leistung nachhaltiger beobachten. 

Der dritte Bericht beschreibt ein Vorgehen zur Ermittlung von Kenngrößen, die Populationen statistisch hinsichtlich genetische Diversität beschreibt. Die Vererbung bei reinrassiger Zucht braucht Zeit und umgekehrt die Zeit sichert vorübergehend die genetische Diversität einer Rasse. Einen Zeitraum von 30 Jahren Zucht gibt einen Ahnenbestand von 50 Jahren. Urahnen lassen sich einfach ermitteln und jedes Zuchttier kann gegen diesen Urahnen (mathematisch) abgebildet werden. So lässt der Zuchttierbestand summarisch gegen Urahnen projektieren und die Größe der Abdrücke bestimmen Dominanz der Linien. 

Diese Methodik ist einfach und kann auf jede Rasse angewendet werden. Sie gibt mit den Abdrücke eine Diskussionsgrundlage zur Justierung von Zuchtstrategien. Sie lässt auch Rassen untereinander vergleichen. 


E-Mail
Anruf
Karte
Infos